Aniridie

Aniridie

Aniridie ist das Nichtvorhandensein der Iris, in der Regel bei beiden Augen. Es kann angeboren sein oder durch eine eindringende Verletzung verursacht werden. Isoliertes Aniridie ist eine angeborene Erkrankung, die sich nicht auf einen Defekt in der Irisentwicklung beschränkt, sondern eine panokuläre Erkrankung mit Makula- und Sehnervenhypoplasie, Katarakt und Hornhautveränderungen ist.Das Sehvermögen kann stark beeinträchtigt sein und die Erkrankung ist häufig mit einer Reihe von okulären Komplikationen verbunden: Nystagmus, Amblyopie, Buphthalmos und Katarakt. Aniridie tritt bei einigen Individuen als Teil eines Syndroms auf, wie z.B. WAGR-Syndrom (Nieren-Nephroblastom (Wilms-Tumor), Urogenitalanomalien und geistige Behinderung) oder Gillespie-Syndrom (Kleinhirn-Ataxie). Die AN2-Region des kurzen Armes des Chromosoms 11 (11p13) beinhaltet das PAX6-Gen, dessen Genprodukt dazu beiträgt, eine Kaskade anderer genetischer Prozesse zu regulieren, die an der Entwicklung des Auges beteiligt sind. Dieses PAX6-Gen ist etwa 95% ähnlich dem pax-Gen, das in Zebrafischen zu finden ist, einem Lebewesen, dessen Vorfahren von der menschlichen evolutionären Entwicklung vor etwa 400 Millionen Jahren abweichen. Somit ist das PAX6-Gen über alle evolutionären Linien hinweg hochkonserviert. Defekte im PAX6-Gen verursachen aniridienähnliche Augenfehler bei Mäusen. Aniridie ist eine heterozygote Erkrankung, d.h. nur eine der beiden Chromosomen 11 Kopien ist betroffen. Wenn beide Kopien verändert werden (homozygoter Zustand), kommt es zu einem gleichmäßig tödlichen Zustand mit nahezu vollständigem Versagen der gesamten Augenbildung. Die Aniridie kann weitgehend in erbliche und sporadische Formen unterteilt werden. Erbliche Aniridien werden in der Regel autosomal dominant übertragen (jeder Nachwuchs hat eine 50%ige Wahrscheinlichkeit, betroffen zu sein), obwohl auch seltene autosomal rezessive Formen (wie das Gillespie-Syndrom) gemeldet wurden. Sporadische Aniridie-Mutationen können die WT1-Region angrenzend an die AN2-Aniridie-Region betreffen und einen Nierenkrebs namens Nephroblastom (Wilms-Tumor) verursachen. Diese Patienten haben oft auch Urogenitalanomalien und geistige Behinderung (WAGR-Syndrom). Mehrere verschiedene Mutationen können das PAX6-Gen beeinflussen. Einige Mutationen scheinen die Genfunktion mehr als andere zu hemmen, mit anschließender Variabilität des Schweregrades der Erkrankung. So fehlt einigen aniridischen Individuen nur eine relativ geringe Menge an Iris, sie haben keine foveale Hypoplasie und behalten ein relativ normales Sehvermögen. Vermutlich verursacht der Gendefekt bei diesen Individuen eine geringere „heterozygote Insuffizienz“, d.h. sie behalten genügend Genfunktion, um einen milderen Phänotyp zu erhalten. Für isolierte Aniridien und das Gillespie-Syndrom stehen molekulare (DNA-)Tests auf PAX6-Genmutationen zur Verfügung. Für das WAGR-Syndrom können hochauflösende zytogenetische Analysen und Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierungen (FISH) verwendet werden, um Deletionen innerhalb des Chromosomenbandes 11p13 zu identifizieren, in dem sich sowohl die Gene PAX6 als auch WT1 befinden. Im Mai 2018 genehmigte die U.S. Food and Drug Administration die CustomFlex Künstliche Iris, die erste synthetische Iris für den Einsatz bei Erwachsenen und Kindern mit angeborener Aniridie oder Irisdefekten im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Albinismus, traumatischen Verletzungen oder operativer Entfernung aufgrund von Augenmelanomen. Die künstliche Iris ist ein chirurgisch implantiertes Gerät aus dünnem, klappbarem, medizinischem Silikon und wird für jeden einzelnen Patienten individuell dimensioniert und gefärbt. Die prothetische Iris wird durch die anatomischen Strukturen des Auges oder bei Bedarf durch Nähte fixiert. Eine Behandlung per Augenlaser, wie bei der FemtoLASIK, der LASIK oder der Lasek/PRK, kann bei dieser Krankheit nicht durchgeführt werden.